Nach der schweren Erdbebenkatastrophe und einem vernichtenden Tsunami ist die drittgrößte Weltwirtschaft Japan erschüttert. Gleichzeitig läuft der Kampf gegen den atomaren Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima weiter und erscheint zunehmend aussichtsloser. Die radioaktive Kontamination eines mehrere hundert Quadratkilometer großen Gebietes wird immer wahrscheinlicher. Selbst die 35 Millionen Einwohner der Mega-Metropole Tokio könnten direkt und unmittelbar von der Verstrahlung betroffen werden.
Im Vergleich zum Erdbeben in Haiti hat eine derart schwerwiegende Verwüstung eines Mitgliedes der G8-Staaten natürlich andere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, als ein vergleichbares Ereignis in einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Kann daraus gefolgert werden, dass negative Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt zu befürchten sind?
Japan ist ein Rohstoffimporteur – Deutschland ist kein Rohstoffexporteur
Zunächst einmal ist Japan eine Wirtschaftsmacht, die vom Import von Rohstoffen abhängig ist. Der Export Japans hingegen konzentriert sich nach wie vor an den Produkten des Automobilindustrie und der IT-Technologie. Insbesondere Computer- und Steuerungskomponenten im Rahmen der Halbleitertechnik sind hier als vorrangige Ausfuhrprodukte zu sehen; wenngleich beispielsweise die Stellung Taiwans oder Südkoreas in diesem Segment als bedeutsamer angesehen werden kann.
Die deutsche Wirtschaft hingegen ruht auf dem Export von fertigen Industrieprodukten. Ein Rohstoffexporteur ist Deutschland nicht und auch noch nie gewesen. Ebenso hält sich der Import japanischen Konsumartikeln in Grenzen. Daraus kann bereits gefolgert werden, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der japanischen Katastrophe den deutschen Arbeitsmarkt nicht wesentlich beeinflussen werden.
Natürlich hängen einige deutsche Produzenten bislang von IT-Komponenten aus Japan ab. So ist auch damit zu rechnen, dass manche Unternehmen auch weiterhin vorübergehend die Produktion drosseln werden müssen. Allerdings ist Japan auch kein Exporteur, der nicht durch andere Wirtschaftsnationen ersetzt werden könnte. Die betroffenen deutschen Unternehmen werden daher keine Probleme haben, vergleichbare Bauteile auch von anderen Anbietern zu erhalten. Möglicherweise muss allerdings ein anderer Preis gezahlt werden. Direkt betroffen wird zudem im Falle eines atomaren Super-Gau´s der japanische Lebensmittelexport sein. Auch dies birgt für deutsche Unternehmen – japanische Feinkost einmal ausgenommen – kein erhöhtes Risiko. Denn gerade einmal 1 Prozent der Lebensmittelimporte Deutschlands stammt aus Japan.
Eine vergleichbare Katastrophe im Süden Japans hätte gravierendere Folgen gehabt!
Zudem – so makaber das auch klingen mag – wurde durch das Erdbeben und den Tsunami der Nordosten Japans vernichtend getroffen. Der Nordosten zeichnet sich in der volkswirtschaftlichen Betrachtung überwiegend durch landwirtschaftliche und mittelständische Unternehmen aus. Die großen Industriezentren Japans liegen aber im Umkreis von Tokio und auf den südlichen Inseln sowie rund um Osaka. So sind unmittelbar durch die Naturkatastrophe keine japanischen „Global Player“ betroffen. Und selbst wenn diese noch durch eine atomare Verstrahlung betroffen werden würden: Dann wäre eine Investition in ausländische Werke eine naheliegende Schlussfolgerung.
Japan wird sich zudem intensiv mit dem Wiederaufbau beschäftigen müssen. Das kann wiederum eher eine Chance für deutsche Fachkräfte in der Baubranche und Städteplanung bedeuten.



